Geschichte, Geschichten und G`schichtli

Über die Ritter - nicht nur über unsere Familie, über Schlösser, Burgfräuleins, Knappen und Gefechte gibt es beinahe unzählige Erzählungen. Einige habe ich selbst zusammengetragen, andere gebe ich hier nur wieder. Alle aber sind für sich selbst interessant und amüsant. Alle haben mir viel Freude beim Niederschreiben gemacht und alle sollen Ihnen ein bisschen Wissen, ein bisschen Vergnügen bereiten. Auch wenn beileibe nicht alle was mit Rittern, Schlössern und Mittelalter zu tun haben.

Ihre Johanna Ritter


Geschichte des Gasthauses "Zum Schwarzen Adler"

Die Henneberger, des Plünderns und Kriegsführens müde, suchten neue Wege um zu Geld zu kommen. Sie ließen das Gebäude im Frondienst erbauen, um eine Zollstelle errichten zu können. Die heute noch zu sehenden 1 Meter dicken Mauern, lassen erahnen welcher Schweiß und Tränen in diesem Gebäude steckten.Es ist anzunehmen, dass von Anfang an für die Versorgung, sei es mit Essen und Trinken für Mensch und Tier, oder mit Schlafmöglichkeiten,gesorgt war.

Die Bewirtung übertrugen die Schlossherren Getreuen, die sich in hennebergischen Diensten hervorgetan hatten. Aus dem nahen Wald bekam der Inhaber alljährlich sein Brennholz, auch das Braurecht wurde ihm gewährt.

Im Bauernkrieg (1525) wurde Schloss Manberg von Schweinfurter Bürgern und Königsberger Bauern teilweise zerstört. Die Schankstatt blieb unversehrt.

1532 wurde in alten Aufzeichnungen Heinrich der Wirt genannt. Aus dem Lehensverhältnis ist ein Besitzverhältnis geworden. 1559 erhielt der Amtsrevierjäger Hans Schäffer die Schankerlaubnis. Der Wirt erhielt auch das Braurecht. Das Wasser wurde aus einem, heute noch existierenden, 15 Meter tiefen Brunnen gewonnen.

Durch die Jahrhunderte hat das Haus viele Berühmtheiten in seinen Mauern beherbergt. So musste Albrecht Dürer 1520 seinen Freibrief vorzeigen. Sein Tagebuch berichtete: "....da ließ man mich zollfrei fahren".

...........allwo das Wirtshaus größer ist als die Kirchī, mit diesen Worten beschrieb der schwedische Offizier das Gasthaus "Zum Schwarzen Adler".

Friedrich Rückert (1788 - 1831) wurde bei einem Schoppen Mainberger Weines wahrscheinlich zu seinem Gedicht über Mainberg animiert:

Und die Sonne selbst noch winket,/ Dir im Scheiden einen Gruß,/ Mainberg, dessen Zinne blinket/ Golden überīn Silberfluss. Wenn nicht diese Berge wären,/ Wäre nicht der Fluss so schön;/ Und nur weil sie sich verklären/ In dem Fluss,/ sind schön die Höhīn. Weil sich mit dem Main der Weinberg,/ Mit dem Weinberg schmückt der Main,/ Darum heißt diese Stelle Mainberg,/ Schönster Berg- und Stromverein.

1813/14 schmiedeten österreichische Soldaten das kunstvolle Wirtshausschild mit dem Doppeladler, das heute noch das Haus schmückt.

Bis 1852 war vor dem Haus ein großer Garten mit Festplatz und Kegelbahn, heute rollen Eisenbahn und Autoverkehr darüber.

Seit 1887 ist das Haus im Besitz der Familie Ritter. Zum Seitenanfang


Tagung der Handwerkszünfte in Mainberg

Noch in der Mitte der sechziger Jahre des 19ten Jahrhunderts verrsammelten sich, nach mündlicher Überlieferung des Ortsbürgerīs Michael Zweckert (1823 - 1906), in der zweiten Hälfte des Wonnemonats Mai die zukünftigen Handwerksmeister der umliegenden Orte mit ihren Gesellen in dem historischen Mainbergser Kirchlein zu einem feierlichen Gottesdienst. Die Zunftheiligen, die auf einer ungefähr 3 Ellen hohen, rot und weiß gestrichenen Stange getragen wurden, hatten Ähnlichkeit mit dem Kopf und Rumpf einer Puppe und ragten über das Wappenschild der Zünfe hinaus. Links vom Hochaltar waren sie aufgestellt. Bei der festlichen Prozession musste je ein Schuljunge den Zunftheiligen der entsprechenden Gruppe vorangetragen und wurde mit einem Kreuzer belohnt.

Nach der andachtsvollen Feier ging es zum Schildwirt "Schwarzer Adler". Dort wurde das vom jüngsten Gesellen getragene Felleisen, das mit Essvorräten gefüllt war, ausgepackt. Der Wirt holte sein selbstgebrautes Bier in Gießkannen aus dem Keller und schenkte es in Krüglein.

Vor dem Haus war ein Garten mit Kegelbahn. Er diente als Festplatz. Heute rollt die Eisenbahn darüber. Sowohl bei Feier als auch bei der Mahlzeit spielte die Musik. Am Nachmittag wurde getanzt.Zum Seitenanfang


"So standīs in der Zeitung"

Fränkische Volkstribüne

sozialdemokratisches Organ, Mittwoch 18.April 1906

Ein streitbarer Bruder in Christo scheint der Herr Kaplan in Mainberg zu sein. Seine Tätigkeit als Seelsorger scheint ihm nicht zu viel Arbeit zu machen, sonst würde er nicht so viel Zeit haben, Dinge zu machen, die dazu geeignet sind, Unfrieden in die Gemeinde zu bringen. Seine größte Tat bestand darin, eine christliche Organisation zu gründen, mit der er nun droht, die Bündler, die Liberalenund auch die Sozialdemokraten mit Haut und Haaren auszurotten. Nebenbei verwechselt dieser Herr die Kanzel und den Beichtstuhl mit Agitationsplätzen, von denen aus er glaubt, gegen Andersdenkende losziehen zu können. Wir erinnern uns noch sehr gut, wie dieser Herr von der Kanzel aus gegen den Alkoholismus predigte und jetzt ist er Feuer und Flamme dafür, dass eine neue Wirtschaft in der Gemeinde errichtet werde, obwohl ein Bedürfnis hierzu nicht anzuerkennen ist. Wahrscheinlich fürchtet der Herr seine "Getreuen" könnten bei Berührung mit Andersdenkenden selbst das Denken anfangen. Durch all`diese Machinationen ist ein Unfriede in die Gemeinde getragen worden, wie er nie zuvor geherrscht hat. Man sollte es nicht glauben, dass ein Geistlicher seine Würde und sein Ansehen dazu benützt, um die Bewohner der Gemeinde gegenseitig aufzustacheln. Anstatt Einigkeit und Friede zu wahren, wie es seines Amtes ist, macht er das gerade Gegenteil. Der Gemeinde wäre nur zu wünschen, dass sie so bald wie möglich diesen Herrn loswürde. Zum Seitenanfang