Der Frühstücksraum, unser „Rittersaal“ hat seinen Namen nicht wegen unseres Nachnamens, sondern weil die Möbel größtenteils aus dem Rittersaal des Schloss Mainberg stammen. Mein Vater kam durch folgenden Umstand in Besitz der Möbel:

Vorgeschichte
1952 erwarb der „Fabrikant“ Heger das Schloss incl. Mobiliar von der Familie Sachs, die seit 1915 Schlossherren waren. Heger stellte Haarwuchsmittel und Brustvergrößerungsmaschinen her. Anfangs war dies ein riesiges Geschäft. Die Aufträge und das Geld flossen wie ein großer Strom. Doch irgendwann merkten die Menschen, das weder die Haare wieder zu wachsen begannen, noch die Brust nach abschwellen der Entzündungen größer waren und der Geldstrom versiegte. Das Finanzamt wollte jedoch seine Steuern haben und so kam es 1961 zur Versteigerung des Schlosses und des Inventars. 1958 wurde Heger wegen Betrugs zu 2 Jahren Haft verurteilt.
1961 wollte niemand alte Möbel haben und so konnte mein Vater, Kaspar Ritter, die Möbel, dabei handelte es sich um den mit Intarsien eingelegten Tisch, die 2 dazugehörigen Schränke, 15 Sessel, 1 Ritterrüstung, mehrere Sofas, Schränke und einfache Tische. Zum Dank, dass er einen so großen Posten ersteigert hatte bekam er noch Bücher über Schloss Mainberg geschenkt. Mein Vater zahlte damals 2000,-- DM.

Kunst & Krempel
Die Ritterrüstung stellte ich 2008 den Experten der im Bayrischen Fernsehen laufenden Sendung „Kunst und Krempel“ vor. Diese erzählten mir, dass der Helm aus dem 15. Jahrhundert stammt, der Torso aber aus dem 19. Jahrhundert. Auf meine überraschte Frage woher diese unterschiedlichen Zeiten kämen, erklärte er mir, dass als das Mittelalter vorüber war, die Rüstungen nicht mehr gebraucht wurden und zu Gebrauchsgegenständen wie Töpfe, Pfannen und ähnlichem umgearbeitet wurden. Im 19. Jahrhundert, als Schlösser wieder vom damaligen Geldadel bewohnt wurden, mussten diese wieder eingerichtet werden. Stilecht natürlich mit Rüstung! Also baute man zu den noch vorhandenen Teilen passende neue Teile dazu.
Das Bleiglasfenster, das sich neben dem Eingang befindet stammt aus dem 19. Jahrhundert.



Das Brautkleid, das die Schaufensterpuppe anhat, gehörte meiner Großmutter, Johanna Orth, die 1899 den Gastwirt Georg Ritter heiratete.

Das große Bild, das die Ansicht Mainbergs nach Merian 1650 zeigt, wurde von Katharina Mann um 1920 gemalt.
Die Truhe, eine „Aussteuertruhe“ gehörte meiner Tante Amalie Ritter. Sie wurde 1901 geboren und starb unverheiratet 1983. Ihre wunderschönen Handarbeiten halten wir heute noch in Ehren.

Johanna Ritter